Bremstechniken

Viele Motorradfahrer sind der Meinung: „Wer bremst verliert”. Viele glauben auch, die Bremse wird nur zum „Burn-Out” gebraucht oder wenn einen ein „Weißkappler” an den Straßenrand winkt um die Unterstützung für den maroden Staatssäckel zu kassieren.

Aber was die Wenigsten wissen ist, dass das Bremsen mit zu den wichtigsten Tätigkeiten beim Motorrad fahren gehört (wenn es nicht gar die Wichtigste ist)! Auch können viele nicht glauben, dass ein Motorrad besser bremst als ein Auto.

Alle modernene Motorräder haben vorne eine Scheibenbremse (meist sogar zwei). Auch am Hinterrad gibt es meist eine Scheibenbremse. Die Entwicklung war hier in den letzten Jahren enorm. (Wie eine Bremse funktioniert wird hier näher erklärt, so dass wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen wollen). Nur so viel: eine moderne Motorradbremse muss unglaubliche Kräfte bewältigen und aushalten können. Sie könnte auch ein Auto problemlos zum Halten bringen - und natürlich erst recht ein Motorrad.

Im Gegensatz zum Auto funktionieren Motorradbremsen auch bei abgestelltem Motor gleich gut (beim Auto fällt dann ja der Bremskraftverstärker aus, was einen deutlich höheren Kraftaufwand bedeutet! Auch viele Motorradmodelle von BMW haben einen Bremskraftverstärker). Aber Bremsen will gelernt - und vor allem viel geübt - sein. Dazu hier nun einige Tipps und Anregungen:

Warum überhaupt bremsen?

Klar, wirst du jetzt sagen, damit ich stehen bleiben kann. Das ist zum Teil schon richtig. Durch das Bremsen wird die Geschwindigkeit des Motorrades an eine Situation angepasst - also verlangsamt (das muss nicht gleich bis zum völligen Stillstand führen).

 

Was beim Bremsen passiert

Damit meine ich jetzt nicht, wie die Bremsflüssigkeit auf den Kolben und dieser auf die Scheibe wirkt ... Das haben andere schon anschaulich erklärt (siehe Link oben). Ich meine hier viel mehr, was dabei mit dem Motorrad passiert?

Als wichtigster Vorgang ist die Gewichtsverlagerung zu bedenken, zu der es beim Bremsen kommt. Beim Stillstand des Fahrzeuges ist die Gewichtsverteilung 50:50. D.h., dass das gesamte Gewicht (Fahrzeug, Fahrer, Ladung) gleichmäßig auf dem Vorder- und Hinterrad lastet. Beim „normalen” Bremsen erfolgt eine Gewichtsverlagerung auf das Vorderrad mit etwa 75%. Das heißt, dass am Vorderrad etwa dreimal so viel Gewicht ist wie am Hinterrad. Bei einer Vollbremsung kommt es bis zu einer 100%-igen Belastung des Vorderrades (Hinterrad hebt ab = „Nose Wheelie”).

Alleine daraus ist ersichtlich, dass der Hinterradbremse eine nicht so bedeutende Rolle zukommt (außer bei neueren Modellen mit einer Integralbremse oder mit ABS).
Die Gewichtsverteilung ist natürlich von Motorrad zu Motorrad durch die Bauart unterschiedlich. So gelangt bei „Straßenflitzern” deutlich mehr Gewicht nach vorne als etwa bei einem Chopper. Auch wird eine für die große Tour beladene Enduro (eventuell noch mit Sozia) mit serienmäßigen Bremsen nicht zu einem Nose-Wheelie zu bewegen sein. Aber trotzdem wirken auch hier die selben Prinzipien und es kommt zu einer deutlichen Gewichtsverlagerung auf das Vorderrad.

 

Wie man am Besten verzögert

Wie viele andere Dinge gehört auch das richtige Bremsen immer wieder trainiert (vor allem dann, wenn man nicht zu den Ganzjahres-Bikern gehört und gerade in die neue Saison startet, oder noch Fahranfänger ist). Dazu sucht man sich einmal einen geeigneten Übungsplatz (leerer Parkplatz am Wochenende, oder ähnliches). Ich übe auch öfter in „der freien Wildbahn” eine Notbremsung (natürlich erst, wenn ich mich davon überzeugt habe, dass ich dabei niemanden gefährde und mir niemand hinten drauf knallen kann!).

Nun gibt es unterschiedliche Meinungen, wie man sein Fahrzeug am Besten zum Stillstand bekommt. Die einen vertreten die Philosophie der zwei Bremsen während wieder andere mehr der Theorie Alles vorne anhängen. Wir selbst sind praktizierender Bekenner der „Zwei-Bremsen-Theorie”, andere schwören auf den alleinigen Gebrauch der Vorderbremse. Wir wollen hier beide Theorien kurz erläutern. Empfehlungen geben wir dazu nur eine ab:

Unbedingt beides selbst probieren und dann das Passende auswählen! Am Besten lässt sich so etwas natürlich erst einmal unter professioneller Anleitung und Aufsicht üben. Dazu empfiehlt sich ein Übungstag beim ÖAMTC oder beim „Blacky” von den Wiener „Weißen Mäusen” (siehe dazu den Abschnitt Training).


Hier nochmals die weiteren Abschnitte zum Thema Bremsen:



Zu diesem Thema passt auch gut der Abschnitt Geschwindigkeit.
Dort findest du eine Grafik, die dir verdeutlichen wird, was der Faktor Geschwindigkeit im Bikerleben bedeutet und was er für Auswirkungen haben kann.

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