Erste Hilfe - aber richtig


Hier wollen wir uns mit einem Kapitel befassen, das viele liebend gerne verdrängen würden. Aber es ist ein für alle Verkehrsteilnehmer wichtiges Kapitel. Und da die meisten den Führerschein doch schon länger haben dürften, werden sie bei diesem Thema nicht mehr so richtig auf dem Laufenden sein.

Gerade über Unfälle mit Motorrädern gibt es allerlei Gerüchte und G´schichteln, was den richtigen Umgang damit betrifft. Wer von uns kennt nicht die Geschichte von einem Bekannten, der wieder einen kennt, dessen Urstrumpftante bei einem Motorradunfall gesehen hat, wie einem Biker der Helm abgenommen wurde dessen Kopf daraufhin wie eine reife Melone zerplatzte und das Gehirn auslief. Glaubt mir, das ist alles ein großer Blödsinn - dazu aber gleich mehr.

Jährlich entdecken immer mehr Menschen die Freude am Motorrad. Trotzdem sind seit vielen Jahren die Unfallzahlen rückläufig. Das bestätigt auch eine Presseaussendung des ÖAMTC vom Juli 2003 (die komplette Aussendung kannst du hier herunterladen). Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Motorradfahrer im Straßenverkehr eine besonders gefährdete Gattung sind! Denn wenn es einmal kracht, gibt es keine Knautschzone.
Wenn du zu einem Unfall kommst gilt es, verschiedenste Dinge zu beachten und vor allem auch zu tun! Diese wollen wir im Folgenden einmal in Erinnerung rufen:
 
Richtiges Verhalten bei Unfällen:
  • Motorrad sicher abstellen (ohne andere zu gefährden)
  • Nachfolgenden Verkehr rechtzeitig warnen! (Warndreieck aufstellen, Sozius dazu abstellen,..)
  • den Weg für Rettung, Feuerwehr,... freihalten
  • 10-20 m Abstand zur Unfallstelle einhalten (mit den Fahrzeugen)
  • bei Bedarf Unfallstelle mit dem Fahrzeuglicht ausleuchten
  • andere Verkehrsteilnehmer zur Mithilfe heranziehen (und diese gegebenenfalls anleiten)
  • brennende Personen/Fahrzeuge löschen (Feuerlöscher oder Decke. Da Biker solche Dinge kaum mithaben werden, tut es im Notfall auch die Motorradjacke!)
 
Unfall melden, aber richtig:
  • Wo ist der Unfall passiert? (Möglichst genaue Ortsangabe)
  • Was ist passiert? (Situation beschreiben. Auch etwa Tankwagen, Gefahrengut,...)
  • Wieviel Verletzte gibt es?
  • Arten der Verletzung? (Sofern du das erkennen und beurteilen kannst)
  • Am Ende des Gespräches auf ev. Rückfragen warten!
    Nie das Gespräch als Erster beenden!
 
Personen bergen:
  • wenn Gefahr besteht (Brand,...), muss man den/die Verletzte/n aus dem Fahrzeug bergen, sofern er das nicht aus eigener Kraft kann
  • Tür öffnen und Verletzten ansprechen
  • Sicherheitsgurt lösen (notfalls durchschneiden), Sitz möglichst weit zurück
  • darauf achten, dass die Beine nicht eingeklemmt sind (oder werden)
  • Verletzten an der fernen Hüfte und dem nahen Knie anfassen und mit dem Rücken zur Tür drehen
  • Verletzten vorsichtig herausziehen (ev. andere Person zur Mithilfe auffordern)
  • in sicherer Entfernung ablegen und möglichst zudecken
  • Verletzten ansprechen und weitere Hilfe leisten
    ist der Verletzte eingeklemmt, technische Hilfe anfordern (Handy!)
  • bei einem Motorradunfall den Verletzten nur bei Gefahr (Brand, liegt mitten auf der Straße,..) bewegen und ihn in einen sicheren Bereich bringen
 
Lebensfunktionen kontrollieren:
  • Verletzten ansprechen, anfassen und Bewusstsein prüfen
  • erfolgt keine Reaktion, den Mund-Rachen-Raum auf Fremdkörper prüfen (Gebiss, Kaugummi, Erbrochenes,..) und bei Bedarf freimachen
  • an Kinn und Stirn fassen und Kopf nach hinten überstrecken
  • Atmung prüfen (am besten die eigene Wange dicht vor den Mund des Verletzten halten - wer hat schon immer einen Spiegel eingesteckt?)
 
Helm abnehmen:
Ist der Verletzte bewusstlos und trägt einen Helm, muss man diesen abnehmen! Der Grund liegt in der großen Erstickungssgefahr!
Alle Meldungen und Schauergeschichten die man so hört können getrost vergessen werden und gehören in den Bereich der Fabel (wie kann einem nach dem Abnehmen des Helmes der Kopf zerplatzen? Wenn so arge Kopfverletzungen vorliegen würden, wäre vom Helm nicht mehr viel zum Abnehmen da - oder?).

Hier eine Anleitung, wie man einem Verletzten fachgerecht den Helm abnimmt (© öAMTC):
Helm1 Helm1
Helm1 Helm1

Ein Klick zeigt dir eine vergrößerte Abbildung!

  • wenn immer möglich eine zweite Person um Hilfe bitten (da es alleine nicht ganz so einfach ist)
  • Verletzten ansprechen
  • Während ein Helfer den Helm leicht nach oben zieht, öffnet der andere Visier und Verschluss und nimmt dem Verunfallten gegebenenfalls die Brille ab.
  • Dann hält er den Kopf des Opfers an Kinn und Nacken und sorgt so für eine leichte Dehnung der Halswirbelsäule.
  • Zugleich zieht der andere Helfer vorsichtig den Helm ab – erst vorn, dann über den Hinterkopf
  • jetzt sofort die Atmung kontrollieren - gegebenenfalls mit der Beatmung beginnen
  • bei vorhandener Atmung den Verletzten in eine stabile Seitenlage bringen

Beachte: Wir empfehlen dir, im Fachhandel einmal die verschiedenen Schließmechanismen der
einzelnen Helm-Modelle anzusehen! Wenn du selbst ein außergewöhnliches Modell verwendest, solltest du im Fachhandel erhältliche Aufkleber am Helm anbringen, die auch einem Laien zeigen, wie dein Helm zu öffnen ist!
Generell sind die Mechanismen zum Öffnen der Helme immer in rot gehalten (an den roten Teilen drücken oder ziehen)!
 
Stabile Seitenlage:
  • einen Bewusstlosen niemals auf dem Rücken liegen lassen (Erstickungsgefahr!)
  • die Lagerung muss so erfolgen, dass Speichel, Blut,.. aus dem Mund abfließen können und auch die Zunge nicht die Atemwege verlegen kann
  • den nahen Arm gestreckt weitmöglichst unter den Körper des Verletzten schieben
  • das nahe Bein beugen und an das Gesäß stellen
  • nun die ferne Schulter und Hüfte greifen und vorsichtig zu sich heran ziehen
  • den nun unter dem Körper liegenden Arm atwas nach hinten herausziehen
  • Kopf nackenwärts beugen, Gesicht nach unten drehen, Mund muss etwas geöffnet sein
  • die Finger der oben liegenden Hand des Verletzten unter seine Wange legen
  • Verletzten zudecken
  • ständige Kontrollen von Atmung und Puls
  • auch nach dem Aufwachen noch in dieser Stellung belassen
  • bei Atemstillstand muss sofort beatmet werden!!
 
Beatmen:
  • Mund-Rachen-Raum von Fremdkörpern befreien
  • wenn die Nase nicht erheblich verletzt ist (Jethelm?), immer zuerst diese Variante probieren!
  • Kopf in Rückenlage leicht nach hinten überstrecken (ev. muss aus der Verletzte aus der Seitenlage auf den Rücken gedreht werden)
  • eine Hand fasst unter den Unterkiefer (dabei mit dem Daumen den Mund verschließen)
  • normal Einatmen und den Mund um die Nase des Verletzten dicht aufsetzen, dann Luft einblasen
  • nach jedem Atemzug den Mund wegnehmen, um ein Ausatmen zu ermöglichen. Während man selbst einatmet, die Atmung des Verletzten beobachten
  • etwa alle 4 Sekunden wiederholen
  • gelangt die Luft offensichtlich nicht in die Lunge des Verletzten, die Kopfhaltung korrigieren und erneut versuchen. Geht es immer noch nicht, zur Mund:Mund-Beatmung wechseln
 
Beatmung Mund-zu-Mund:
  • Mund-Rachen-Raum von Fremdkörpern befreien
  • Kopf in Rückenlage leicht nach hinten überstrecken (ev. muss aus der Verletzte aus der Seitenlage auf den Rücken gedreht werden)
  • mit Daumen und Zeigefinger der auf der Stirn liegenden Hand die Nase des Verletzten verschließen
  • nach jeder Beatmung den Mund wegnehmen und Kopf seitlich drehen (ermöglicht dem Verletzten das Ausatmen, man selbst kann frische Luft einatmen und den Brustkorb beobachten)
  • etwa alle 4 Sekunden wiederholen
  • nicht mit zu hohem Beatmungsdruck arbeitem (Luft könnte in den Magen gelangen, was zu Erbrechen und damit einer erhöhten Erstickungssgefahr führen kann!)
 
Schockzustand:
  • ein starker Schock stellt eine absolut lebensbedrohende Situation dar!
  • Ein Schock kann zusätzlich zu einer äußeren Verletzung auftreten oder ohne ersichtliche Verletzung - und auch, wenn der Verunfallte bei Bewusstsein ist!!
  • Ein sehr schneller Puls (>100/Min), Blässe und Schweißbildung sind deutliche Hinweise auf einen Schock. Aber auch Unruhe, Nervosität oder Angst
  • im Falle eines Schocks auf jeden Fall die Rettung verständigen (144)!
  • den Verunfallten dazu bewegen, sich flach hinzulegen, die Beine etwa 20-30 cm hoch lagern
  • mit dem Verunfallten sprechen und ihn beruhigen
  • ihn zudecken
  • tritt eine schwere Atemnot ein, muss der Oberkörper hochgelagert werden!


 

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